Größe: 206 ha
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Unterschutzstellung: 15.05.1990
Schutzzweck: Erhalt und Entwicklung von Grünland- und Röhrichtflächen in der Rögnitzniederung als Brut-, Rast- und Schlafgebiet für Wasser- und Watvögel.  

Lage: Das Schutzgebiet liegt in einer Höhe von 10 bis 11 m NN in der Rögnitzniederung, ca. 3,5 km südwestlich von Lübtheen. Es gehört zur Landschaftseinheit ,,Talsandniederungen mit Elde, Sude und Rögnitz". Es war Teil des Naturparks „Mecklenburgisches Elbetal“. Seit der Verabschiedung des "Gesetzes über das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Mecklenburg-Vorpommern" am 15.01.2015 gehört es zum Biosphärenreservat.
Geologie und Wasserhaushalt: Die Rögnitzwiesen bei Neu Lübtheen gehören zum spätweichselzeitlichen bis holozänen Talsandgebiet des Elbetales. Die Oberfläche des Schutzgebietes ist durch Rinnen (alte Flussschlingen) gegliedert, in denen sich Versumpfungsmoore ausbildeten. Das Gebiet wird im Südwesten durch den Rögnitzlauf begrenzt.
Nutzungsgeschichte: Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gebiet überwiegend bewaldet. Die unbewaldeten Flächen wurden als bäuerliche Hutung und Wiesen genutzt. Die Rögnitzwiesen wurden zu dieser Zeit noch vom Rückstau der Elbe beeinflusst. In mehreren Schritten wurden sie trockengelegt (um 1845, 1918 - 20 sowie ab 1953) und in intensivere Nutzung genommen. Gleichzeitig wurde der Flusslauf der Rögnitz in mehreren Abschnitten begradigt und eingedeicht. Seit 1991 werden die Grünlandflächen extensiv durch Mahd und Beweidung bewirtschaftet.
Pflanzen- und Tierwelt: Der Nordteil des Gebietes wird von seggenreichen Feuchtwiesen eingenommen, im Südteil herrscht wechselfeuchtes Auengrünland vor. Die extensiv genutzten Feuchtwiesen des Gebietes werden von Wasser-Schwaden, Schlank-Segge, Rohr-Glanzgras und stellenweise Flatter-Binse dominiert. Daneben kommen Sumpfdotterblume, Blasen-, Schnabel-, Sumpf-, Wiesen- und Ufer-Segge sowie Wiesen-Schaumkraut, Echtes Mädesüß, Sumpf-Schwertlilie, Gelbe Wiesenraute und Schild-Ehrenpreis vor. Das Auengrünland weist ein für Flussauen typisches, leicht gewelltes Relief auf. Entsprechend den dadurch kleinräumig wechselnden Feuchtestufen ist hier ein Mosaik verschiedener Vegetationsformen ausgebildet. Die höher gelegenen Bereiche werden von z. T. trockeneren Wiesen mit Gewöhnlichem Ferkelkraut eingenommen. In feuchten Senken treten Röhrichte, Seggenriede und Flutrasen mit Rohr-Glanzgras auf. Dazwischen liegen Flächen mit Wechselfeuchte anzeigenden Arten wie Rasen-Schmiele, Kriechendem Hahnenfuß und Gänse-Fingerkraut, die ebenfalls zum Auengrünland gezählt werden. Auf den mäßig feuchten Standorten des Gebietes existieren frische Wiesenfuchsschwanzwiesen und Saatgrasland. Aufgrund der bisher intensiven Nutzung sind diese Flächen artenarm. Etwa in der Mitte des Gebietes befindet sich innerhalb einer Feuchtwiese eine langgestreckte Senke mit einem Schlankseggenried. Eingestreut sind Wasserschwaden- und Rohrglanzgrasröhrichte sowie ein Sumpfseggenried. Die ausgebaute Rögnitz besitzt nur einen schmalen Rohrglanzgrassaum. An den Gräben sind infolge der intensiven Unterhaltung ebenfalls nur schmale Säume von Sumpfseggenried und Rohrglanzgrasröhricht vorhanden. Eine Ausnahme bildet der Simmergraben, der von einem üppigen Sumpfseggenried und einigen jungen Schwarz-Erlen gesäumt wird. Im Südwesten des Gebietes befindet sich ein großes Feldgehölz. In ihm wechseln von Stiel-Eiche und Birke dominierte Bereiche mit Nadelholzkulturen. Nördlich des Feldgehölzes stocken auf einer Erhebung Stiel-Eichen und Birken. Daneben existieren im Gebiet Baumreihen aus Stiel-Eiche, Schwarz-Erle und verschiedenen Weidenarten sowie Solitärgehölze. In den Rögnitzwiesen brüten u. a. Bekassine, Kiebitz, Wachtel, Großer Brachvogel, Wiesenweihe, Schwarzkehlchen und Ortolan. Bis 1966 wurde hier auch das Birkhuhn beobachtet. Regelmäßig durchziehende Zugvögel sind u. a. Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Zwergtaucher, Schellente, Zwerg- und Singschwan sowie Sumpfohreule. Als Nahrungsgäste wurden Kranich, Schwarz- und Weißstorch sowie Eisvogel beobachtet.
Gebietszustand und Entwicklungsziele: Der Zustand des Gebietes ist befriedigend. Innerhalb des Europäischen Vogelschutzgebietes „Naturpark Mecklenburgisches Elbetal“ werden die Rögnitzwiesen wegen ihrer Bedeutung als Brut-, Rast- und Schlafgebiet für Wasser- und Watvögel als „besonders wertvoll“ eingestuft. Allerdings konnte die Entwässerung des Gebietes bisher nicht gestoppt werden. Auch die Abkopplung vom Hochwasserregime der Elbe besteht weiter. Um den Lebensraum der Wiesen- und Watvögel zu sichern, ist es notwendig, einen höheren Wasserstand für das Gebiet zu gewährleisten. Flächen, die an das Gebiet grenzen und von Vernässungsmaßnahmen direkt betroffen sind, sollten in das Naturschutzgebiet einbezogen werden.
Öffentliche Nutzung: Das Schutzgebiet ist auf vorhandenen Wirtschaftswegen zu begehen sowie von der Straße Jessenitz - Kaarßen aus zu erleben.

 

Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag

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