Größe: 390 ha
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Unterschutzstellung: 15.05.1990
Schutzzweck: Erhalt und Entwicklung eines Auen-Überflutungsbereiches im unteren Mittellauf der Elbe sowie der angrenzenden Talranddünen und Altmoränenhänge.  

Lage: Das Schutzgebiet liegt an der Elbe westlich von Dömitz, in einer Höhe von 16 - 30 m NN. Es gehört zu den Landschaftseinheiten ,,Talsandniederung mit Elde, Sude und Rögnitz" und „Elbetal“. Es war Teil des Naturparks „Mecklenburgisches Elbetal“. Seit der Verabschiedung des "Gesetzes über das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Mecklenburg-Vorpommern" am 15.01.2015 gehört es zum Biosphärenreservat.
Geologie und Wasserhaushalt: Die holozäne Elbe-Terrasse besteht aus Talsand unter Aueschlick. Diese Flächen werden periodisch vom Hochwasser der Elbe überflutet. Am Rande der saalezeitlichen Hochfläche des Rüterberges existieren Dünenzüge. Auf der saalezeitlichen Hochfläche selbst befindet sich die Herrsche Tongrube (heute See). In ihr waren Obermiozän, Unter- und Oberpliozän, Altpleistozän und Tropfenböden aufgeschlossen.
Nutzungsgeschichte: Während die Hochfläche und die Talranddünen vor 1800 als Heiden genutzt wurden, wechselten im Überflutungsbereich bis zum Bau der Elbbuhnen (ab 1842) Auenwaldflächen und Röhrichte mit sommergenutzten Weide- und Wiesenflächen ab. Nach Bau des Sommerdeiches Mitte des 19. Jh. sind Teile des höher gelegenen Polders als Acker, die unregelmäßig überschwemmten Flächen vornehmlich als Grünland genutzt worden. Die Ackernutzung wurde erst 1993 aufgegeben, zur Zeit werden nur Teilflächen des Vorlands als Weide genutzt, die übrigen Flächen sind der natürlichen Entwicklung überlassen. Bis 1967 wurde auf der Geestinsel „Bergton“ abgebaut und mit Aueschlick und Sand in der ehemaligen Ziegelei Broda, die sich im Ostteil des heutigen Schutzgebietes befand, verarbeitet.
Pflanzen- und Tierwelt: Auf der Hochfläche kommen Reste von Eichen-Birkenwäldern vor, während die Talranddünen mit Kiefern aufgeforstet wurden. Im periodisch überfluteten Polder wechseln sich Silbergrasfluren und Magerrasen mit Grasnelke, Grannen-Ruchgras, Ährigem Blauweiderich und Ohrlöffel-Leimkraut sowie junge Weichholzauen mit Weidenarten, Schwarz-Pappeln sowie einem Vorkommen der Pappel-Seide ab. Ferner treten hier Röhrichte und Uferstaudenfluren mit Katzenschwanz, Strahlendem Zweizahn und Gelber Wiesenraute auf. Die feuchteren beweideten Flächen sind als Brenndolden-Auengrünland mit Flutrasen ausgebildet. Die der Überschwemmungsdynamik unterworfene Flussuferflur der Elbe wird von Elb-Spitzklette, Elb-Liebesgras, Aufsteigendem Fuchsschwanz, Großem Büchsenkraut und Schmalblättrigem Ampfer gebildet. Auf trocken gefallenen Sandbänken stellen sich im Sommer oft dichte Bestände einjähriger Gefäßpflanzen, so z. B. Hirschsprung und Schlammling, ein. In den Wäldern brüten u. a. Rotmilan, Sperber, Hohltaube, Eisvogel, Wendehals sowie Grün-, Schwarz- und Mittelspecht. In den unbewaldeten, zumeist im Überschwemmungsbereich gelegenen Flächen kommen Zwergtaucher, Löffelente, Tüpfelralle, Kiebitz, Bekassine, Brachvogel, Wachtel, Steinschmätzer und Drosselrohrsänger vor. Auf einer Sandbank an der Elbe brüten Flussregenpfeifer. Zeitweise überwintern bis zu 100 Zwerg- und 300 Singschwäne, mehr als 1 500 Saat- und 3 500 Blässgänse sowie zahlreiche Enten, Zwerg- und Gänsesäger im Gebiet. Durchzügler sind bis zu 2 000 Kraniche sowie Goldregenpfeifer, Grünschenkel, Flussuferläufer, Bruch- und Waldwasserläufer sowie Trauer- und Flussseeschwalbe. Als Nahrungsgäste besuchen Seeadler, Kornweihe, Fischadler und Schwarzstorch das Gebiet. An einem Altwasser siedelt der Elbebiber. Vorlandgewässer und binnendeichs gelegene Bracks beherbergen Kammmolch, Knoblauchkröte, Rotbauchunke, Laub- und Seefrosch. Westliche Beißschrecke, Langfühler-Dornschrecke, Steppengrashüpfer, Blauflügelige Ödlandschrecke und Heidegrashüpfer besiedeln die Magerrasen der Dünen. Auch Gestreifte Zartschrecke und Sumpfschrecke sowie Südliche Binsenjungfer, Kleines Granatauge, Kleine Mosaikjungfer und Große Königslibelle sind im Gebiet heimisch. Die in Ausbreitung begriffene Asiatische Keiljungfer wurde hier erstmals für Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. Von den Tagfaltern ist das Vorkommen des Kleinen Waldportiers am Rande der Kiefernforste erwähnenswert. Der Schuppenschwanz, ein seltener Blattfußkrebs, wurde in Qualmwassersammlungen direkt hinter dem Deich gefunden.
Gebietszustand und Entwicklungsziele: Der Gebietszustand ist befriedigend. Nach Aufnahme einer intensiveren Nutzung des Grünlands 1997 sind empfindlichere Arten wie die Sumpf-Brenndolde fast verschwunden. Vorgesehen sind die Aufhebung des Sommerpolders und eine großflächige extensive Bewirtschaftung des Gründlandes. Die Dünenflächen sollen durch gelegentliche Gehölzentnahmen offen gehalten werden.
Öffentliche Nutzung: Das Gebiet ist auf den vorhandenen Wegen zu durchwandern. Bei Rüterberg bietet ein Aussichtsturm eine gute Übersicht über das Elbtal.

 

Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag

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